Ich definiere mich nicht über Hören.

Interview mit mir in „Berlin.er.Hören“ SVB 3/2020, Juli

[…] Das auditive Wahrnehmen von Umgebungsgeräuschen, z.B. Vogelzwitschern, Blätterrauschen im Wald mit CI ist sehr schön auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist das Ziel von gutem CI-Sprachverstehen (rein auditiv ohne Mundbild und ohne Mimik) jedoch für mich persönlich sehr weit entfernt. Ich definiere mich als Person nicht über „Hören“ und bin kein „Paradebeispiel“ für gutes auditives Wahrnehmen mit CI: Hören ist der eine, Sprachverstehen der andere Bereich. Dennoch kann ich von mir sagen: Ich bin gut in Kommunikation!

[…] Ich nutze alle Sinne, die mir zur Verfügung stehen, die auditive Wahrnehmung mit CI, Mundabsehen (ca. 30% der gesprochenen Sprache sind vom Mund ablesbar), Deutung von Mimik, Gestik und Körpersprache, Einschätzen der Situation, Kontext-Erfassen für eine Kommunikation und ein Verstehen im Gespräch. Unter [Nichthör-]Gleichgesinnten und Gehörlosen kommuniziere ich in Gebärdensprache.

[…] Wichtig für mich ist, meinem guthörenden Umfeld immer wieder aufzuzeigen, dass ich mit einem CI als Neuro-Prothese trotzdem taub bzw. hörbehindert bleibe.

[…] „Sorge für Dich, schaffe Dir die für Dich möglichst ideale Hör- bzw. Kommunikationssituation“ ist meine Devise. Und: Es gibt nicht immer eine ideale (Hör-)Situation, selbst für Guthörende nicht!

Artikel „Im Beruf“ | SVB 03/2020 „Berlin.er.Hören“